Standesgemäßer Rahmen für Feste – und Buße

Venezianische Gondeln fuhren einst auf dem Kanal.
Wer dieser Wasserstraße folgt, sollte rechts zum Pagodensee abzweigen. Im See spiegelt sich die zierli¬
che Pagodenburg. Das Schlösschen, von Joseph Effner 1719 erbaut, diente ausschließlich amourösen Treffen. Außen französisch, innen luxuriös orientalisch – eu¬ropäisch gibt sich allein das Salettl mit seinen holländi¬schen Fayencekacheln. Zurück zum Mittelkanal und weiter westwärts erreichen wir am Kanalende die Kas¬kade mit Götterfiguren (1717) in der Marmorfassung von Cuvillies (1771). Der östliche Rückweg zum Ba¬denburger See führt vorbei am Monopteros, den Leo von Klenze 1862 für Ludwig II. errichtet hat. Am ge¬genüberliegenden Ufer ist die reizvolle Badenburg zu sehen. Max Emanuels Oberbaumeister Effner schuf sie von 1718 bis 1721. Zur Luxusausstattung gehörten Deckenfresken mit Göttern und Nymphen, mytholo¬gische Stuckfiguren und – eine Heizung. Denn, wie der Name schon andeutet: Hier wurde gebadet. Der Kur¬fürst, als Frauenheld berüchtigt, vergnügte sich in der Badenburg mit seinen Favoritinnen bei leiser Musik.
Doch gelegentlich, so heißt es, soll er auch seiner Ge¬mahlin, Anna Maria von Österreich, die Ehre des Ba¬defestes zu zweit gewährt haben.
Den Wasserlauf entlang zurück nach Osten gelangen wir zur Amalienburg. Cuvillies gelang 1734 bis 1739 dieses kleine »Wunder«. Man glaubt, eine Arie Mo¬zarts zu hören: »… o gioia bella.« Das Jagdschlösschen ist ein anmutig gestreckter Bau, mit klassischem Gie¬bel und einem Dachkrönchen. Der kreisrunden Mitte mit dem Spiegelsaal schmiegen sich zwei rechteckige Flügel mit kleinen Räumen an. Die Enfilade der Räu¬me beginnt gleich nach dem Entree mit – und das ist wohl einmalig – einem Hundezimmer: Ringsum führ¬ten Schlupflöcher in die Behausungen der vierbeinigen Jagdbegleiter. Kurfürstin Amalie, eine Kaiserstochter, ging in »grüner Mannskleidung« auf die Jagd. Und wenn diese durch Wälder und Wiesen führte, watete die Kurfürstin bis an die Knie im Morast. Das Jagd-Schlösschen ist daher der Jagdgöttin Diana gewidmet. Der Spiegelsaal in Blau und Silber (dem Metall des Mondes) stellt ein Nonplusultra der Raumkunst des Rokokos dar. Den Stuck modellierte Johann Baptist Zimmermann, die Schnitzarbeiten führte Joachim Dietrich aus. Dem Spiegel wird seit alters Magie zuge¬schrieben. »Was seh ich? Welch himmlisch Bild zeigt sich in diesem Zauberspiegel?«, fragt Faust in der He¬xenküche. Und einen vergleichbaren magischen Ein¬druck erweckt der Amalienburger Spiegelsaal mit sei¬nen zahllosen dekorativ gefassten Spiegeln. Das reichte allemal für einen »Kick«, einen Sinnenrausch. Das höchste Lob der Rokokozeit war »curios«, im Sinne von »noch nie gesehen«. Und das finden die Besucher auch heute, wenn sie »super!« rufen.
Jagdzimmer, Fasanenzimmer, Gelbes Zimmer und Blaues Kabinett – zum Abschluss der Raumfolge ge¬langt man in eine puppenstubenhafte, doch handfeste Küche, deren Wände ganz und gar mit holländischen Fließen verkleidet sind. Hier hat die Fürstin auch selbst zum Kochlöffel gegriffen. Steht man wieder auf der Terrasse, ist man gewärtig, dass das Portal unter der ruhenden Diana aufschwingt, und eine galante Gesell¬schaft in Rokokokostümen wie von einem Gemälde von Antoine Watteau tänzelt die Freitreppe herunter. Auf dem Rückweg zum Hauptschloss passieren wir ei¬nen abgezäunten Minipark mit Teich und Blockhaus: Hier spielten die kleinen Prinzessinnen und Prinzen ihre kindlichen Abenteuer. Auf dem Weiher manövrie¬ren Schwäne wie Segelschiffe. Die drei Lustschlöss-chen forderten ein Antithema heraus. Kurfürst Max Emanuel, der Türken- und Frauenheld, geboren 1660, ließ sich in reumütiger Stunde eine Einsiedlergrotte bauen. Diese Klause ist in dem Gehölz nördlich des Gartenparterres zu finden. Hier gedachte der »Blaue Kurfürst« zu meditieren und zu Maria Magdalena zu beten, der Patronin aller Büßer. Die Grotte ist aus Tuff¬stein, Muscheln und Kieseln gemauert. Die Frage, ob der betagte Herrscher sich bei dem schönen Anblick der Büßerin hätte kasteien mögen, hat sich nie gestellt. Als man die Grotte 1728 weihte, war Max Emanuel schon seit zwei Jahren verschieden.

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