Schwabings ruhmvolle Tage

Schwabing war eine geistige Insel in der großen Welt, in Deutschland, meistens in München selbst«, er¬klärte Wassily Kandinsky. »Dort lebte ich lange Jahre. Dort habe ich das erste abstrakte Bild gemalt. Dort trug ich mich mit Gedanken über >reine< Malerei he¬rum.« Der Russe, ein Mitbegründer des »Blauen Rei¬ter«, ist ein Paradebeispiel für viele Künstler, Literaten und Intellektuelle, die sich in Schwabing, diesem bayerischen Montmartre, mit großen Gedanken he¬rumtrugen. Er begegnete einer Künstlerin, die sich ebenfalls auf der Suche nach einem Neubeginn befand. Folglich verbrachten Wassily Kandinsky und Gabriele Münter im Hinterhaus der Ainmillerstraße 36 ihre ers-te glückliche Zeit miteinander. Paul Klee, ein anderer »Blauer Reiter«, schuf im damals ramponierten Werneckschlösschen schon seine fantasievollen Grafi¬ken und Bilder, bis er wieder woanders hinzog. So be¬wohnte er auch zeitweise einen »Mieterkäfig« in der Ainmillerstraße 32. Er lernte die Münchner Pianistin Lily Stumpf kennen, die er später heiratete. Zu Alfred Kubin bahnte sich in jener Zeit eine wertvolle Freund¬schaft an. Das Schwabing der großen Zeit begann mit dem Umbruch vom 19. zum 20. Jahrhundert und klang Ende der 1920er-Jahre aus. Es ist das Schwabing der großen Namen.
Bei Spaziergängen stößt man auf Adressen, und man wundert sich. In der Giselastraße soll der junge Tho¬mas Mann mit seinem Radi als Untermieter gehaust haben. Er schrieb noch an den »Buddenbrooks«. Rilke wohnte übrigens einmal in der Ainmillerstraße 34, aber auch in der Keferstraße. Lou Andreas-Salome be¬suchte 1896 München und stieg in der Schellingstraße ab. Wegen ihres Nietzschebuches war sie schon be¬kannt. Rainer Maria Rilke suchte ihre Nähe und konn¬te sie zur Geliebten gewinnen. Franz Marc besaß früh ein Atelier im Gartenhaus der Kaulbachstraße 68. Ob der Maler seine Nachbarin, Franziska Gräfin zu Re-ventlow, die auf Nummer 63 wohnte, kennen lernte, ist nicht erwiesen. Aber die gescheite Schriftstellerin kannte tout Schwabing. Zum Beispiel den Stefan-Ge- orge-Kreis in der Römerstraße. Den Dichter, der sich erhaben mit Jüngern umgab, taufte sie Weihenstefan (was im damaligen bayerischen Wortschatz etwas sehr anrüchig Duftendes beschrieb). Die Reventlow, übri¬gens wie Thomas Mann ein Kind der Hansestadt Lü¬beck, prägte für Schwabing das lange haftende Schmähwort »Wahnmoching« – eine Verschmelzung von »Wahnfried« und »Feldmoching«. Das Kunstwort verdeutlicht den Zusammenklang von Großmanns¬sucht und Provinzialität, wie es das »schönste Mädchen Schwabings« wohl hier empfand.

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