Schwabings Boulevard: die Leopoldstraße

Die doppelbahnige Straße ist breit. Und die Allee¬pappeln sind hoch. Sie ersetzen die toskanischen Zypressen, die hier nicht gedeihen würden. Aber die Pappeln zaubern einen Hauch Italien herbei. So soll es sein. Die Leopoldstraße, benannt nach Maximilian Jo¬seph Arnulf Leopold, dem zweiten Sohn des Prinzre¬genten Luitpold, ist die Weiterführung der Ludwig¬straße als »Fürstenweg« von der Residenz zum Schloss Schleißheim. Die Schwabinger kümmert das alles we¬nig. Für sie ist die Leopoldstraße die Hauptachse ihrer Welt. Man bummelt und macht seine Besorgungen. Und je nach Jahreszeit oder Sonnenschein, sitzt man an einem Tischchen auf dem Bürgersteig und spannt aus. Wer kommt, wer geht? Natürlich sind die Frauen jung, sehr schön und schick. Und die Männer erfolgreich und lässig. (Beides entspricht hier dem Weltbild.) Bei schlechtem Wetter trifft man sich im Stammcafe oder im Restaurant. Das klingt sehr alltäglich. Ist es aber nicht: Die Stimmung macht den Unterschied. Sie ist hier ganz anders als in anderen Straßen Münchens, ja, m der Welt.
Aber nirgendwo bleibt die Welt auf Dauer glücklich. Die Veränderungen drängen sich auch hier ins Straßen¬bild. Die stolzen Bürgerburgen der Prinzregentenzeit mussten spiegelnden Verwaltungsfronten weichen. Vor einer steht in Geherpose ein riesiger Mann – Jo¬nathan Borofskys »Walking Man«. Quo vadis? Wohin geht hier die neue Zeit? In einem langen Gedächtnis spukt noch der Name »Cafe Elite«. Das gab es in jenen frühen Jahren, als hier die Schamonis und andere Jung¬filmer verkehrten. Doch das »Cafe Extrablatt« … so lange ist es noch gar nicht vorbei. Hier konnte man früher Heiner Lauterbach allein am Tisch lächeln se¬hen. Oder war es sein Double? Man weicht auf Alter-nativen aus. Da ist etwa die angesagte »Bar Zest« in der Adalbertstraße 23, in der sich nun vor allem die Film-leute treffen.
Zu Beginn der Leopoldstraße stoßen linkerhand Fa¬kultätsbauten an den Gehweg. Wer Schickes sucht, sollte später in die Hohenzollernstraße einbiegen. Auf¬fällig sind die vielen Backshops. Man lässt sich eine heiße Minipizza über den Tresen reichen. Erwähnung verdienen die noch erhaltenen weiß-blauen Wirtshaus¬bastionen — wie das »Bachmaier-Hofbräu« (Nummer 50), dienstbereit bis 3 Uhr in der Früh. Wer einen Blick in die Seitenstraßen wirft, ist überrascht von den brei¬ten, gepflegten Wohnquartieren. Beispiel Ainmiller- straße 22, eine perfekt restaurierte Jugendstilfassade mit altägyptischen Motiven. Apropos Bauschmuck: Die Puttenfriese an dem Wohnhaus Ecke Franz-Jo- seph-Straße/Wilhelmstraße gereichten jedem Schlöss¬chen zur Ehre.
Unter den urbanen Wohnstraßen verdienen besondere Beachtung auch die Römerstraße mit dem an¬schließenden Pündterplatz. Genügend Luft herrscht zwischen den gutbürgerlichen Hausfronten, und im Sommer dringt der Blätterwald bis ins zweite und drit¬te Stockwerk. Wer Ausschau hält, entdeckt hier, wie auch in der Herzogstraße, hoch oben Atelierfenster, die an die künstlerische Tradition Schwabings erin¬nern. Vor der Münchner Freiheit sticht ein bemerkens¬werter Farbfleck ins Auge: Ein Wohnturm, Wohn- und Geschäftshaus zugleich, in kräftigem Ocker erhebt sich an der Ecke Leopold-/Franzstraße. Er verleiht dem Farbeneinerlei einen optimistischen Akzent (1997-1999, Steidle + Partner).

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