Rund um den Wedekindplatz

Die Leopoldstraße gabelt sich an der Münchner Freiheit. Der Platz sollte einst ein Ruhepol für Bürger werden – die Schachecke dokumentiert diese freundliche Absicht. Doch heute ist er in erster Linie ein Verkehrsknotenpunkt.
Ein Wort zum denkwürdigen Namen. Welche Freiheit ist gemeint? Keine geringere als die vom Faschismus. In den letzten Kriegstagen, am 28. April 1945, besetz¬te eine Gruppe von Soldaten unter Hauptmann Rupp- recht Gernegroß zwei Sender und rief zum Sturz der Nazis auf. Diese »Freiheitsaktion Bayern« wollte wei¬tere Kriegsopfer verhindern. Wehrmacht und SS über¬wältigten rasch die Widerstandskämpfer: 40 von ihnen mussten sterben, der Hauptmann konnte sich retten.
Schon zwei Tage später rückten US-Truppen ein. Weiße Fahnen wehten über der Trümmerstadt. Mit dem Namen des Platzes will man an die mutigen Frei¬heitskämpfer erinnern.
Der Passantenstrom schwenkt von hier in die Fei- litzschstraße mit dem Wedekindplatz und der Occam- straße. Das war einmal ein heißes Bermuda-Dreieck. Doch von Amüsiermeile zu sprechen, war gewiss zu allen Zeiten geprahlt. Die Münchner Lach- und Schießgesellschaft ist indes mit ihren Stars noch immer der Knaller, mal mit Dieter Hildebrandt oder Lisa Fitz, öfter nun mit dem Ensemble um Michael Altinger (Ecke Haimhauser-/Ursulastraße).
Besinnliche Stadtwanderer mag es in die Werneck¬straße führen. Gleich zu Beginn versperren Garten¬mauern die Sicht, aber durchs Tor erspäht man das ver¬träumte Werneckschlösschen (1715-1761 von J. B. Gunezrainer erbaut). Es heißt, vor sehr langer Zeit hät¬ten sich Liebende zwischen hier und dem Schloss Nymphenburg Lichtzeichen gegeben. Man stelle sich vor: das weite Land, die große Entfernung – und die unendliche Liebe. Heute tagt hier die Katholische Akademie. Der Werneckstraße möchte man Verspon- nenheit attestieren. Man hält auf Privatsphäre. Hier gibt es noch Mauern mit sicheren Pforten. Ein Sonder¬beispiel mag das Verbindungshaus mit dem burgarti¬gen Portal sein. Ein Kantus dringt auf die Straße. Nein, es sind keine Korpsbrüder, die da singen. Man hört ei¬nen salbungsvollen Opernchor. Vielleicht vom DVD- Player.
Ein herrschaftliches Anwesen befindet sich am be¬nachbarten Nikolaiplatz: die Seidlvilla mit einer sehr anmutigen, von Blumen umrankten Gartenterrasse. Wir erfahren, dass eine Schwabinger Bürgerinitiative die Idylle vorm Untergang gerettet hat. Die Villa mit Nebengebäuden, 1905 von Emanuel von Seidl erbaut, sollte einem Hotelkomplex weichen. Kurz: Das An¬wesen blieb als »Insel in dem von Wirtschaft und Tou¬rismus« bedrängten Schwabing erhalten. Seit 1991 en¬gagiert sich das »Bürgerzentrum Seidlvilla« für eine soziale und kulturelle Nutzung. Das Programm weist Vorträge wie Sitzungen auf, etwa von humanitären Ar¬beitsgruppen, Terre des Hommes sei genannt. Und der Seniorenchor probt hier, die Philosophen philosophie¬ren, Dichter deklamieren Gedichte. Im eigenen Cafe gibt es Bridgenachmittage und man feiert Bürgerfeste. Die Gäste stammen wohl auch aus solch idyllischen Winkeln wie der Seestraße, Mandlstraße, Keferstraße. Der Maibaum steht wie ein Fels in der Brandung. Er steht neben dem Traditionsgasthaus »Seerose«. Genau gesagt, neben dem so genannten Viereckhof, den ein Bauer Ende des 13. Jahrhundert hier an der Grenze zu den Isarauen errichtete. Den Namen erhielt das Anwe¬sen nach einem Besitzer Viereck, der den Hof um 1635 bewirtschaftete. Das war während der Regentschaft Maximilians I. Der Dreißigjährige Krieg drang bis nach München herein. Schwedische Reiter raubten den Bauern das Vieh von der Weide. Aber der Viereckhof überlebte bis heute. Er bezeugt ein Stück Schwabinger Dorfgeschichte dort, wo sonst nichts mehr so bleiben konnte, wie es einmal war.
Man denkt mit Sympathie an all die jungen Menschen, die nach Schwabing kamen und kommen, um hier eine Zukunft zu finden. Die laufenden Bilder von Edgar Reitz überspielen die Erinnerung. Hier drehte der Re¬gisseur etliche Szenen seines Films »Zweite Heimat«.

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