Ein Trio der besonderen Art

Die Landeshauptstadt präsentiert ihre historischen wie auch zeitgenössischen Schätze an Malerei und Plastik in den drei Pinakotheken an der Barerstraße, die ein hochkarätiges Kunstzentrum bilden.
In der Alten Pinakothek fand die Sammeltätigkeit der Wittelsbacher Herrscher ihre Heimstatt. Sie vereint die Kunstwerke aus der königlichen Hauptstadt aller Re¬sidenzen. Die Fürsten trugen hier europäische Meis¬terwerke vom 14. bis zum 19. Jahrhundert zusammen. Von der italienischen Malerei finden wir Werke aus der Früh- und der Hochrenaissance. Ein ergreifendes, hoch ästhetisches Gemälde ist Botticellis »Pieta« (ca. 1510). Vor Leonardo da Vincis »Maria mit dem Kind« (um 1475) wie vor Raffaels »Madonna des Hauses Tempi« (vor 1508) versammeln sich die Betrachter stets mit andächtiger Bewunderung. Andere verharren lie¬ber vor Tintorettos lasziver Szene »Vulkan überrascht Venus und Mars« (um 1555). Das Triptychon »Drei¬königsaltar« (um 1460) des Flamen Rogier van der Weyden ist das herrlichste »Weihnachtsbild«, und es hat wie kein zweites andere Meister beeinflusst. Die flämische Malerei des 17. Jahrhunderts schwelgt in Ru¬bensschöpfungen, unter ihnen das Kolossalwerk »Das Große Jüngste Gericht« (1616). Die deutsche Malerei überrascht mit Albrecht Dürers genialem »Selbstbild¬nis im Pelzrock« (um 1500). Albrecht Altdorfers mi¬nutiös geschilderte »Alexanderschlacht« (1529) reizte Napoleon gar zum Bilderraub. Eine außergewöhnliche Preziose ist Altdorfers »Donaulandschaft« (um 1520). Wir sehen in ihr das erste reine Landschaftsbild der deutschen, wenn nicht gar der europäischen Kunst. Das Gemälde, entstanden an der Wende zu einer neu¬en Religion, ist auch Ausdruck eines neuen Weltbilds. Das »Himmlische« ist nun tatsächlich der (blaue) Himmel geworden. Die Alte Pinakothek, wie sie sich auf der weiten Grünfläche präsentiert, ist selbst ein Ausstellungsstück, um das andere Nationen München beneiden. Das Bauwerk im Stil italienischer Renais¬sance errichtete Leo von Klenze von 1826 bis 1836 im Auftrag Ludwigs I. Die schweren Kriegsschäden (der Kunstschatz war ausgelagert) erforderten Rekons¬truktionen wie auch Veränderungen, die Hans Döll- gast vorgenommen hat. So ist die innere Doppeltreppe wahrlich kaiserlich zu nennen.
Die Neue Pinakothek ist ein reich gegliedertes helles Sandsteingebäude, das von 1975 bis 1981 unter der Re¬gie von Alexander von Branca entstand. Es ersetzt als Neuschöpfung einen zerstörten Vorgängerbau Lud¬wigs I. Die Bogenfenster korrespondieren mit der Al¬ten Pinakothek. Eine Cafeteria mit Brunnen neben dem Haupteingang vermittelt Freizeitflair. Schon al¬lein das Wandeln durch die 22 Säle des lichten Bau¬werks ist ein Vergnügen.
In der Präsentation von etwa 500 Gemälden, zudem 50 Plastiken, muss jeder seine eigenen Favoriten wählen, alte Vorlieben bestätigen, Neuentdeckungen machen. Zunächst rückt manch erzählerisches Historienbild der Münchner Akademiekoryphäen in den Blick¬punkt. Als Beispiel sei nur Pilotys »Thusnelda im Tri¬umphzug des Germanicus« (1869-73) genannt. Seiner theatralischen Inszenierung von »Seni an der Leiche
Wallensteins« (1855) kann man allerdings die Aner¬kennung nicht verweigern. Darüber hinaus sehen wir ein reiches Tableau der europäischen Kunst des ausge¬henden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts bis hin zum Jugendstil. Hier finden wir Namen wie Goya, David, Gainsborough, Turner. Große Impressionisten, wie Degas, Manet, Monet, Gauguin und van Gogh, be¬reiten stets unvergessliche Begegnungen. Ein stilles Kabinett ist dem scheuen Hans von Marees gewidmet. Wir treten in eine antike Sphäre der Unschuld und Poesie: »Das Goldene Zeitalter«, I und II. Anselm von Feuerbachs »Medea« hat in jener Welt allerdings Leid erfahren. So geschätzte Maler wie Blechen, C. D. Friedrich, Kobell, Leibi, Liebermann, Overbeck oder Waldmüller verdienten eine Reverenz. Aus den Bild-hauerarbeiten ist Aristide Maillos »Flora« (1910/12) herauszuheben, die mit göttlicher Gelassenheit in die Zukunft der Kunst zu blicken scheint. Böcklin erwar¬tete von seinen Bildern, dass man sie nachempfindet. »Spiel der Wellen«, ein kurzweiliges Tummeln von Meereskentauren mit Nixen, wäre da ein Vorschlag für die nächste Hitzewelle.

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Im Universitätsviertel

Ein Handy läutet schrill. Vor uns geht eine junge Frau auf dem Bürgersteig. »Hi!«, ruft sie in ihren Apparat. »Wie geht’s? Wo ich hier bin? Ich weiß es nicht. Irgendwo in Bogenhausen oder so. Sehr nett.« Was für ein Irrtum! Wir stehen an der Kreuzung Tür¬ken-/ Schellingstraße. Tiefstes Schwabing also. Und le¬bendiges Schwabing. Hier gibt es viele interessante Geschäfte, Cafes, Gaststätten, darunter einige ur- bayerische Stammburgen. Man trifft auf Galerien, Kunsthandlungen und Kunstgewerbeläden. Erwäh¬nenswert sind die Buchhandlungen, in der Schelling-straße sogar mit fremdsprachiger Literatur. Die An¬tiquariate sind hervorragend. Der Platzhirsch unter den Altmünchner Schenken ist der »Atzinger« in der Schellingstraße 9. Ein Wort zu den Cafes: eine altbe¬währte Konditorei und als Vis-ä-vis ein Bistro mit ka¬rikaturartiger Malerei und lustigen Sprüchen an den Wänden. Newcomer betrachtet das Multikulti-Publi- kum mit dem I970er-Jahre-Blick »Trau keinem über dreißig«. Alles cool. Billard spielende Biertrinker pil¬gern zum traditionsreichen »Schelling-Salon« (Num¬mer 54), wo sie beides synchron ausüben können. In der Auslage einer Buchhandlung der Türkenstraße ist zu lesen: »Ewig lebt, wer nie gelebt hat.« (Ernst Jandl). Ein Spruch fürs Leben. Nur wenige Schritte sind es bis zum »Alten Simpl«, der über 100 Jahre alten Nachtsta¬tion der Kreativen und Lebenskünstler. Namensgeber ist der »Simplicissimus«, die geistreich-witzige Sartire-Zeitschrift aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Un¬bestechlich wurden Gesellschaft wie Politik aufs Korn genommen. Einige arg zerschlissene Exemplare lagen im Lokal immer umher. Man sollte nicht sagen Schnee von gestern. Auf einer Titelkarikatur pries eine Tröd¬lerin zwei Herren einen roten Stern mit Hammer und Sichel an: »Dös san die neuesten Antiquitäten, sicherns Eahna a Stück!« Datiert am 21. Mai 1933. Der rote Stern gelangte zwar erst 60 Jahre später auf den Müll… Historische Originalexemplare der Zeitschrift bietet übrigens ganz in der Nähe der Antiquar Hammerstein an (Türkenstraße 37).
Als ein reizender Mikrokosmos entpuppt sich der Kunsthof (Türkenstraße 78). Man sieht dort auch ein Plakat »Akthof«. Doch Kiebitze, die sich den Hals ver¬renken, gehen leer aus. Vielmehr erblickt man hübsche bunte Häuschen mit üppig blühendem Grün und einer Bank am Brunnenrand – wie romantisch. Doch Kunst kommt von Künstler: Hier gibt es Unterricht in Port¬rät- und Aktmalen, und ein Bildhauer unterhält ein Atelier. Aber man kann auch Kurse belegen, die in den Bereich Life Coaching gehören. Kunst und Lebens¬kunst im Kleinen wie im Großen: So ist Schwabing. Dergleichen Biotope kann man bei einiger Aufmerk¬samkeit öfter antreffen. Etwa um den Elisabethplatz mit seinem kleinen Markt oder um den Wedekindplatz mit den Nachbarstraßen.
Die Amalienpassage spiegelt lebhaft die Zeitläufte. Der muntere Passantenstrom mäandriert durch die Höfe des nun nicht mehr so neuen Wohn- und Kommerz¬blocks an sorgfältigen Geschäftsauslagen vorüber. Doch hoppla, einige Schaufenster sind verklebt mit al¬tem Papier. Neue Läden blitzen jedoch bunter als je zuvor. Viel Glück zum Neuanfang! Hier irgendwo sollte eine Gedenkplatte an Rainer Werner Fassbinders »antitheater« erinnern. Für die Dramaturgie des später so besessenen Filmemacher bildete es eine sehr wichti¬ge Basis.
Einer der schönsten Titel der Literatur ist gewiss »Ein gut beleuchtetes Cafe« von Hemnigway. Die Vertrau¬en erweckende Aussage gilt ebenfalls für die Univer¬sitätsbuchhandlung »Hueber-Rupprecht« (Amalien¬straße 77-79). Und vor allem ist sie gut bestückt. Die Büchertische auf dem Bürgersteig sind immer verlockend, zu jeder Jahreszeit. Die Studenten kom¬men direkt von jenseits der Straße aus dem Rückein¬gang der Universität herübergelaufen.
Den einzigen Blickpunkt der Akademiestraße bildet die lang gestreckte Akademie der Bildende Künste: Dreiflügelanlage, Freitreppe, Außenplastiken – ein Pa-last im Stil der Neorenaissance (1874-84). Hoch im Ruhm stand München als Kunststadt. Aus der Vielzahl seiner Meister, die an der Akademie wirkten, treten ei¬nige Namen hervor, die nicht nur die Münchner ken¬nen: Peter von Cornelius, Karl Theodor von Piloty, Wilhelm von Kaulbach, Julius Schnorr von Carolsfeld, Wilhelm von Kobell, Wilhelm Leibi, Franz von Len- bach, Franz von Stuck. Die Moderne brach an mit Wassily Kandinsky, Paul Klee, Alexej von Jawlensky, Franz Marc. Und selbst Giorgio de Chirico, später der große Maler der »metaphysischen« Bilder, hat hier stu¬diert. Der Bogengang auf seinem Gemälde »Melan¬cholie einer Straße« (um 1924) erinnert an die Arkaden des Hofgartens. In der Nachkriegszeit errangen unter vielen anderen Karl Friedrich Dahmen, Günter Fruh- trunk, Mac Zimmermann, Eduardo Paolozzi und die Gruppe Spur weithin Anerkennung. Olaf Metzei, des¬sen Skulptur »Reise nach Jerusalem« die Pinakothek der Moderne so prominent präsentiert, lehrt gegen¬wärtig hier. Im Akademiegarten hat Coop Him- melb(l)au von 2002 bis 2005 einen zweiteiligen luziden
Erweiterungsbau errichtet. Das Gebäude des Archi¬tektenteams, bestehend aus Wolf D. Prix, Helmut Swcinsky und Partner, zählt zur Münchner Architek¬tur der Moderne.

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Villen vom Feinsten

Eine der schönen und abwechslungsreichen Prome¬naden bietet die Maria-Theresia-Straße vom Frie¬densengel in Richtung St. Georgs-Kirche. Sie führt flussabwärts an der Flanke der Uferanlagen entlang. Zugleich kann man hier eine Parade der unterschied¬lichsten honorigen Anwesen betrachten.
Das ockerfarbene Anwesen im Stil südlicher Landhäu¬ser entpuppt sich als das Hildebrandhaus (Ecke Siebertstraße). Es war der Wohnsitz des Bildhauers Adolf von Hildebrand (1847-1921). Nach eigenen Planungen hat Gabriel von Seidl 1887 bis 1898 die Dreiflügelanla¬ge mit geräumigem Ateliertrakt erbaut. Eine Würdi¬gung des Kulturphilosophen Ludwig Curtius verdeut¬licht die Bedeutung des Künstlers: »Die Jahrzehnte des naturalistischen Klassizismus und romantischer Thea- tralik, aus denen Hildebrand selbst herausgewachsen war, begannen damals zu verebben, seine große Schöp¬fung, der Wittelsbacher Brunnen in München, hatte sich durchgesetzt, Hildebrand galt unbestritten als der erste Bildhauer Deutschlands, mit dem in Europa nur Rodin konkurrierte …«
Die Villa wirkt heute noch wohnlich. Die Hildebrands, der Künstler und seine Frau Irene, waren mit ihren sechs Kindern von Florenz nach München gezogen. Das Haus entwickelte sich zu einem Treffpunkt kulturellen Lebens. Rote Brokatmöbel schmückten die Räu¬me, im großen Salon stand ein Flügel. Eine alte Raffa¬el-Kopie sowie Gemälde des Freundes Hans von Ma- rees hingen an den Wänden. Nach 1933 – der älteste Sohn musste als Antifaschist fliehen – erlosch der Glanz des Hauses Hildebrand. Bis er mit der Einrich¬tung der Monacensia und des Literaturarchivs der Stadt München sowie mit Ausstellungen und Vorträ¬gen wieder zu leuchten begann.
Die Villa Bechtolsheim (Nummer 27) schmückt ein großes florales Ornament von Richard Riemerschmied am Turm. Diese erste Münchner Villa im Jugendstil baute Martin Dülfer 1896/98 für einen Industriellen – gerade gegenüber der Isaranlage ein reizvolles Apergu. Die St. Georgskirche war einst die Mutterkirche aller rechts der Isar gelegenen Gotteshäuser Münchens. Ihr Westturm besitzt noch romanische Mauern. Doch in jüngerer historischer Zeit bildete sie nur noch den glanzvollen Mittelpunkt eines schwindenden Dorfes. Eine Gedenktafel an ihrer Außenwand erinnert an den letzten Bürgermeister, der 1909 verstarb. Damit war auch das Schicksal des Dorfes, das sich zu einem Stadt¬teil auswuchs, besiegelt. Die jetzige Kirche hat nach Entwürfen von Johann Michael Fischer 1768 ein Baumeister seines Umkreises im Rokoko umgebaut. St. Georg zu Ross auf der Altarbühne (Werkstatt Jo-hann Baptist Straub) erinnert an Fischers kleine Ge¬orgskirche in Bichl bei Benediktbeuern. Ignaz Günther hinterließ hier zwei seiner letzten, grandiosen Werke: den koketten Engel an der Kanzel und am rech¬ten Seitenaltar den heiligen Korbinian mit einer ein¬dringlichen Geste. Der gemalte Stuck des ausgehenden Rokokos verleiht dem Innenraum eine leise, wohltö¬nende Harmonie. Der kleine Friedhof umgibt die Kir¬che wie ein Kranz. Auf den Grabsteinen entdeckt man Namen von Künstlern, Schauspielern und Autoren: Hans Knappertsbusch, Hans Lietzau, Carl Wery, Lisi Karlstadt, Oskar Maria Graf, Annette Kolb, Erich Kästner. Und Peter de Mendelssohn, er war der Bio¬graf Thomas Manns. Auch hier muss der Opfer des Nazi-Terrors gedacht werden. Unter ihnen befindet sich Pater Alfred Delp von St. Georg, ein Mitkämpfer des Kreisauer Kreises.
Die Manns bezogen Anfang 1914 ihr Haus in der Po- schinger Straße 1, von den Kindern salopp »Poschi« genannt. Das Haus steht direkt an der Isarpromenade beim Herzogpark. Die weiße Villa mit Garten sollte zum Fixpunkt des Schaffens werden. Einen anschauli¬chen Eindruck vom Familienleben gibt uns die Erzäh¬lung »Unordnung und frühes Leid« von 1926. Aller¬dings handelt sie in der wirren Zeit der Inflation (ein Dünnbier kostete 8000 Mark, heißt es), und zudem an dem Tag eines Hausballs, den die beiden ältesten Kin¬der, die »Großen«, veranstalten.
An der Mauer des im Innern umgestalteten Anwesens war neuerdings auf einer Gedenktafel zu lesen, Tho¬
mas Mann hätte hier bis 1953 gelebt. Der Nobel¬preisträger musste jedoch im Jahr 1933 mit seiner Fa¬milie emigrieren und kehrte nie wieder nach München zurück. Zu den Gepflogenheiten des »Zauberers« (Ti¬tel der Mann-Biografie von Peter de Mendelssohn) gehörten sehr frühe, lange Spaziergänge entlang der Isar. In seiner amüsanten Erzählung »Herr und Hund« spielen sie neben seinem Begleiter Bauschan die Hauptrolle. Man gewinnt einen lebendigen Eindruck von dem Naturerlebnis, folgt man seinem Beispiel. »Ich gehe, die Arme auf dem Rücken, im zarten Son¬nenschein die von langen Schatten schraffierte Allee hinunter, ich sehe den Fluss nicht von hier, aber ich höre seinen breiten, gleichmäßigen Gang; gelinde flüs¬tert es in den Bäumen, das durchdringende Zirpen, Flöten, Zwitschern und schluchzende Trillern der Singvögel erfüllt die Luft… und Bauschan erfreut mein Auge durch schöne, gestreckte Sprünge über das nied¬rige Gitter des Grasstreifens zur Linken, hinüber – herüber.« Die Allee erhielt den Namen des Dichters. In der Villa an der Poschinger Straße entstanden so be¬deutende Schriften wie »Betrachtungen eines Unpoli¬tischen«, »Mario und der Zauberer«, »Der Zauber¬berg« und »Joseph und seine Brüder«.

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Herrschaftliches Bogenhausen

Durch die Schatten der Baumriesen zum Friedens¬engel aufsteigend, gelangen wir nach Bogenhau¬sen, dem Stadtteil mit den gepflegten Villenstraßen. Vom Europaplatz sind es durch die Prinzregenten¬straße zur Stuck-Villa nur wenige Schritte. Die Villa ist für Kunstliebhaber die Attraktion des Viertels und ne¬ben dem Lenbachhaus die zweite Residenz eines Ma¬lerfürsten in der Stadt. Franz Stuck (1863-1928), ein Müllersohn aus Niederbayern, aussehend wie ein grie¬chischer Gott, war ebenso hoch talentiert wie ehrgei¬zig. Schon mit seinem ersten großen Gemälde, »Wäch¬ter des Paradieses«, das er als Debütant in der internationalen Münchner Jahresausstellung 1889
zeigte, erntete er Beifall und Entrüstung – und sogar die Goldmedaille. Beifall und Entrüstung sollten seine Laufbahn begleiten, aber auch Lohn: 1906 wurde er ge¬adelt. Seine Villa entwarf er innen wie außen selbst. Dem feudalen Haupthaus (1897/98) fügt sich ein zurückhaltender Atelierbau (1914) an. Was den Besu¬cher erwartet, signalisiert ihm vor dem Eingang die Amazone mit dem Speer: Ein vehementes Kunsterleb¬nis im Zusammenspiel von Bild, Plastik und Raumge¬staltung in einer vollblütigen Mixtur aus Klassizismus und Jugendstil. In der sensationellen ausgeschmückten Residenz sind neben Wechselausstellungen auch Stuck-Werke zu besichtigen, wie etwa sein berühmtes¬tes Gemälde, »Die Sünde« (1893): Die Verführerin lockt den Betrachter mit entblößtem Busen und ani-mierenden Blicken, aber die tödliche Schlange lauert bereits über ihrer Schulter.
Ebenfalls an der Prinzregentenstraße gelegen stößt man einige Querstraßen weiter auf das neuklassizisti¬sche Prinzregententheater. Schon mit den Balustraden¬statuen über der Front weiht Max Littman das Bau¬werk den Musen: Musik, Gesang, Tragödie und Komödie. Von Anfang an war es mit Richard Wagners »Meistersingern« (1901) in großer Besetzung zum Spielort der Opern-Festspiele bestimmt. Innen über¬rascht ein seltenes Dekor im Neurenaissancestil mit grotesken Elementen. Die Anordnung der Zuschauer¬reihen erinnert an ein Amphitheater. Aus der Ge¬schichte denkwürdiger Uraufführungen sind zu nen¬nen: Hans Pfitzners »Palestrina« (1917) unter Bruno Walter, Frank Wedekinds »Herakles« (1919), Hugo von Hofmannsthals »Turm« (1928). 1964 musste das Haus wegen Baufälligkeit die Tore schließen. Passan¬ten fürchteten, sein Ende sei bereits abzusehen. Die Wiedereröffnung fand erst 1988 statt.
Die Prinzregentenstraße kann sich jedoch eines weite¬ren Anziehungspunkts erfreuen – zumal für Gour¬mets. »Feinkost Käfer« ist weit über die Stadtgrenze ein Begriff. Die Speisekarte der bescheiden benannten »Käferschenke« (Nummer 73) offeriert erlesene Krea¬tionen. Als kleine Leckerei sei »Käfer’s« Hummerein¬
topf mit frischen Gartenkräutern empfohlen, im Kup- ferpfännchen serviert. Dazu könnte ein trockener Ri- vaner, Selektion Käfer, aus Franken angenehm sein. Das Geschäft im Souterrain offeriert das Edelste aus al¬len Bereichen.

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Gasteig, Praterinsel und Maximiliansanlagen

Die Verwandlung Haidhausens führt kein Beispiel vehementer vor Augen als der feuerrote Gasteig (1985) am Fuß der Rosenheimer Straße. Nicht kleckern, sondern klotzen, hieß wohl das Motto. Das weitläufige Zentrum in Ziegel und Glas bietet Kultur vom Besten. Der muschelförmige Konzertsaal der Philharmonie fasst 2500 Zuhörer. Ferner bietet das La¬byrinth den Carl-Orff-Saal mit Bühne, ein Studio- Theater und den Kleinen Konzertsaal des Richard- Strauss-Konservatoriums. Man begegnet eiligen Studenten mit ihrem Instrument unterm Arm. Lese¬ratten sitzen oben im Treppenhaus, denn es gibt hier die Münchner Stadtbücherei, die »vernetzt« über einen Bestand von mehr als einer Million Medien verfügt. Einen Ruhepol stellt die benachbarte kleine gotische Kir¬che St. Nikolai am Gasteig dar. Das Gotteshaus gehör¬te einst zu dem »Leprosenhaus« vor dem Isartor. Das Innere schmücken ein Barockaltar sowie Barock¬gemälde. Die Kreuzigungsgruppe davor stammt vom Kalvarienberg an der »Salzstraße«. Reisende mögen hier ihre Gebete gesprochen haben. Zur Ludwigs¬brücke hin lockt das Müllersche Volksbad mit einem originellen Turm: ein Jugendstilbau (1897-1901) der Prinzregentenzeit, die fortschrittliche Errungenschaf¬ten begrüßte. Das feudal dekorierte Bad sollte sogar dem »unbemittelten Volk« offen stehen, wie es der Stifter, Karl Ritter von Müller, wünschte. Dass der Be¬sucher heute Eintritt bezahlen muss, verwundert nicht. Es wird viel geboten: Schwimmhallen (früher für Da-men und Herren getrennt), ein Römisch-Irisches Schwitzbad und folglich Ruhekabinen. Die Ausstat¬tung, Jugendstil mit neubarocken Elementen, könnte man luxuriös nennen (Architekt Carl Hocheder). Naturfreunde indes finden nur wenige Schritte weiter am Isarufer bei den Kiesbänken ihre Sonnen- und Ba¬deplätze. Die Auwiesen des Bergflusses gestaltete man in eine ansprechende Parklandschaft um. Die Uferwe¬ge wirken wegen der Strömung lebendig und kühl. Über einen Brückensteg gelangt man zur Praterinsel. Bergfans können sich in dem hier ansässigen Alpinen Museum ausgiebig über die Welt der Gipfel und Täler informieren. Die nahe gelegene Muffat-Halle (Zell¬straße 4) veranstaltet für die junge Szene Events mit starker Zugkraft: Musik, Tanz, Performance, Kabarett und Modeschauen. In der Adventszeit glitzert die Pra¬terinsel im Lichterschein eines stimmungsvollen Weih¬nachtsmarkts.
Auf dem Ostufer gestaltete Karl Effner in der Prinzre¬gentenzeit auf schwierigem Gelände die großzügigen Maximiliansanlagen. König Ludwig II. wollte hier auf dem Hochufer ein Festspielhaus für Richard Wagner bauen. Gottfried Semper plante bereits einen Monu¬mentalbau mit breiter Prachtfassade zur Isar. Doch be¬kanntlich scheiterte der König am Widerstand der Mi¬nister. Seit 1965 erinnert aber ein Ludwigdenkmal an das Vorhaben. Fast wäre München und nicht das ober¬fränkische Bayreuth Ort der Richard-Wagner-Fest¬spiele geworden.

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Von der Vorstadt zum selbstbewussten Quartier

Am reizvollen Johannisplatz mit seinen Gaststätten und Geschäften bietet sich zunächst ein Besuch des Kaffeehauses gleichen Namens an. Der Blick fällt auf die Pfarrkirche St. Johann Baptist, die die Mitte des Platzes einnimmt. Das neugotische Gotteshaus des Ar¬chitekten Mathias Berger ist ein gewaltiges Bauwerk mit imposantem westlichen Fassadenturm und zwei kleinen Osttürmen. Es besitzt einen Marmorhochaltar von Josef Knabl und Glasgemälde von Augustin Pa¬cher. Die selbstbewusste Pfarrkirche ist Ausdruck ei-nes neuen Bürgerstolzes der jungen eingemeindeten Vorstadt. Denn nachdem sich Münchner Firmen, etwa Brauereien, auf dem billigen Grund angesiedelt hatten und die Beschäftigungszahl stieg, erhöhte sich hier auch der Lebensstandard.
Wie es zu alter Zeit einmal in Haidhausen und in der Au ausgesehen haben mag, davon gewinnt man im Rücken des urbanen Wiener Platzes eine gewisse Vor¬stellung: Schmale, verwinkelte Gassen und anderthalb Stockwerke hohe Häuschen mit Zelt- oder Walmdach, die gewiss Denkmalschutz genießen. Noch vor weni¬gen Jahren konnte man im Kreppen die Kreissäge eines Kleinbetriebs kreischen hören. Die Nähe zum Isar¬grün gleicht hier ein wenig die Enge der kleinen Ver¬hältnisse aus. Der Wiener Platz mit seinen Marktstän¬den und die benachbarte Innere Wiener Straße können hingegen beides verbinden: gut situierte Bürgerlichkeit und ein gemütliches Miteinander. An Sommertagen zeichnet sich der Biergarten des »Hofbräukellers« durch Feierstimmung aus. Am Isarhochufer gelegen, pilgern zu ihm nicht nur die Anwohner, sondern auch Ausflügler aus den Isaranlagen. Das schöne Wirtshaus im Stil der Neurenaissance und die Arkaden der alten Stallungen und Remisen, die den Kastanienhof ab-schließen, tragen zur festtäglichen Stimmung bei. Ein denkwürdiges Datum in der Geschichte Haidhausens ist der 8. November 1939. Am Gedenktag des »Mar¬sches zur Feldherrnhalle« pflegte Hitler alljährlich im »Bürgerbräukeller« vor seinen Parteigenossen zu re¬den. Dort hatte der Münchner Tischler Georg Elser zu diesem Anlass eine Bombe installiert. Sie detonierte pünktlich. Doch der Diktator hatte aus unbekanntem Grund das Lokal vorzeitig verlassen. Sonst wäre jener Tag in die Annalen der deutschen Geschichte einge¬gangen.

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Im Franzosenviertel

Plätze sind benannt nach Bordeaux, Orleans, Straßen nach dem Eisass, nach Lothringen, Metz, Sedan und Paris. Parlez vous fran^ais? Nein, das wer¬den Sie nicht gefragt, denn Sie befinden sich in dem Viertel Haidhausen der weiß-blauen Landeshaupt¬stadt. Die Namen besagen, dass es nach dem Deutsch- Französischen Krieg ausgebaut wurde, also nach 1871, und dass man dabei französischen Vorbildern folgte. Im großzügigen Straßenbild sehen wir bürgerliche Wohnhäuser im Gründerstil. Das Patriotische meldete sich zu Wort mit Ortsnamen wie Weißenburger Straße, die als Geschäftsmeile zum Ostbahnhof führt. Den Weißenburger Platz mit Brunnen, Blumenschmuck und Ruhebänken halten die Anwohner für den schöns¬ten im Viertel. Die anderen sind auch nicht ohne Reiz. Die Rosenheimer Straße bildet die Verbindung von der Innenstadt zur Salzburger Autobahn. Sie beginnt an der Ludwigsbrücke, die über den Fundamenten der Brücke Heinrichs des Löwen gebaut ist. Das heißt, hier verlief die alte Salzstraße, auf der die Kärrner das weiße Gold in die Siedlung fuhren, nachdem der Herzog die Brücken des Freisinger Bischofs zerstört hat. So wuchs die Ortschaft »zu den Munichen« (bei den Mönchen), und ab anno 1158 besaß sie Stadtrechte.
Gewiss ist das kein Thema, wenn man auf der Weißen¬burger Straße beim Kaffee sitzt. Gleich nach dem Ro- senheimer Platz besitzt sie ein Flair, das an einen fran¬zösischen Boulevard erinnert. Haidhausen ist in den letzten Jahren immer wieder modernisiert worden – oder was man darunter verstand. Die mehrfach nach hinten gestuften Anwesen mit zwei oder gar drei Hin¬terhöfen erhielten durch Firmenauszüge und Umrüs¬tungen zwar ein neues Gesicht, aber noch prosperieren hier Werkstätten. Man stößt auf Galerien und sogar auf Ateliers: In der Lothringer Straße 13 etablierte sich die gleichnamige Städtische Galerie für Newcomer. In der Sedanstraße 22 präsentiert die Galerie Anais Neuschöpfungen ihres Künstlerkreises. Zu erwähnen ist auch das rege literarische Interesse dieses Quartiers. Geschäfte und Gaststätten kommen hier gut über die Runden. Alteingesessene wollen auf keinen Fall fort. Natürlich steigen bei Sanierungen und Erneuerungen die Mieten. Für Leute mit gutem Einkommen, die man früher Yuppies nannte, ist dies kein allzu großes Prob¬lem. So gewinnt man im Straßenbild den Eindruck, die Einwohnerschaft hätte sich verjüngt. Aber es gibt halt auch die Anderen, die man nicht sieht. Haidhausen, wie auch andere Siedlungen rechts der Isar, war einst Sammelbecken der vom Lande zugezogenen armen Leute. Es gab auch Handwerker und Betreiber von Kleinstgewerben. Überliefert sind so merkwürdige »Professionen« wie Holzhacker, Holzträgerin, Essig¬sieder, Knoblauchhändler, Froschhändler und angeb¬lich sogar Goldwäscher. An die alte notdürftige Zeit des »Glasscherbenviertels« wird mit dem Herbergen¬museum erinnert. Das Üblacker-Häusl hat man an eine »gerodete« Stelle an der Preysinger Straße 58 verpflanzt. Es zeigt uns, wie bescheiden Tagelöhner hausten. Ein zweites Beispiel liefert der ebenfalls her¬verpflanzte Kriechbaumhof (Nummer 71, Ecke Wolf¬gangstraße). Als typisch gelten die schlichte Holzbau¬weise und die Laubengänge. Sein ursprüngliches Alter wird auf 300 Jahren taxiert. Auch er war einst eine Herberge der armen Leute, das heißt, in einem solchen Häuschen konnten sie sich eine winzige Wohnung oder ein Zimmerchen kaufen. Weitere Exemplare dieses Haustyps haben den Krieg nicht überlebt. Im rekonstruierten Kriechbaumhaus treffen sich heute die jungen Leute des Alpenvereins. Heimatliebe stimuliert das Stadtteil-Museum in der Kirchstraße 24. Nahebei erhebt sich die für Heimatforscher höchst in-teressante Alte Johann-Baptist-Kirche (Nummer 18). Die »Urkirche« auf diesem Grund wurde 807 dem Freisinger Bischof als eine Filiale der Bogenhausener Pfarrei geschenkt.
Das war kurz nach der Zeit Tassilos, des letzten Agi- lolfingers, also noch vor den Welfen und Wittelsba¬chern – welch eine gewaltige Zeitdimension. Im Dreißigjährigen Krieg demolierten schwedische Landsknechte die Kirche. 1650 erstand sie neu als Saal¬bau mit Westturm und Wandpfeilern in deutscher Re¬naissance. Als sich 1820 Haidhausen von Bogenhausen trennte, versah sie bis 1879 die Aufgaben einer Pfarr¬kirche. An ihrer Nordseite schließt sich der Alte Haid- hausener Friedhof an. Mit seinen alten Grabsteinen und dem üppigen Baumwuchs könnte man ihn schon als einen idyllischen historischen Gottesacker bezeich¬nen. Indes, er ist heute nur noch Althaidhausern Vor-behalten.

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Ein Engel über der Isar

Den romantischen Ton der Schack-Galerie nimmt die Luitpoldbrücke (Theodor Fischer, 1900) mit ihren gewichtigen Rampenfiguren auf, die die vier bayerischen Stämme symbolisieren. Uber die Isar ge¬langt man nach Bogenhausen, doch zunächst zum Friedensdenkmal, allgemein Friedensengel genannt. Der goldene Friedensengel hoch auf der Säule feiert die 25-jährige segensreiche Periode nach dem Deutsch- Französischen Krieg. Die Goldmosaiken in der Halle der Basis, die Karyatiden schmücken, sind mit allego¬rischen Darstellungen des Krieges, Sieges, des Friedens und des Segens der Kultur geschmückt. Das Denkmal errichteten Heinrich Düll, Max Heilmaier und Georg Pezold von 1896 bis 1899 in Gemeinschaftsarbeit. Ih¬nen gelang eines der schönsten Kunstwerke auf Mün¬chens Straßen.
Im Nord-Lehel bietet das Museum für Vor- und Früh¬geschichte (Lerchenfeldstraße 2) einen Überblick über die Besiedlungsgeschichte des bayerischen Raumes. Die ältesten Funde reichen bis in die Kulturepoche der Altsteinzeit zurück. Die in einem gewissen Sinn ver¬trautesten Objekte bietet die Abteilung der Römerzeit (15 v. Chr. bis 400 n. Chr.) wie Helme aus Messebron¬ze, Parademasken oder Statuetten von Gottheiten. Ein Glanzstück ist indes auch die Merowingische Bügelfi¬bel aus Wittislingen (7. Jh).
Die Frühmittelalterliche Abteilung weist eine Reihe von Funden aus dem Stadtkern auf. Publikumswirk¬
same Sonderausstellungen präsentieren versteckte Kostbarkeiten der Staatssammlung aus den frühen Kulturen des Mittelmeerraumes und des Vorderen Orients. Dagegen ist der »Kalte Krieg« noch allen im Gedächtnis. Vor der »Wende« sendeten am obersten Nordzipfel des Viertels die Stationen Radio Free Europe und Radio Liberty ihre Botschaften der Frei¬heit über den Eisernen Vorhang. »Mein Schreibtisch steht an der Isar«, sagte der Autor Wolfgang Koeppen (1906-1996). Der bedeutende Schriftsteller, der Spa¬ziergänge im Karree liebte, verbrachte seinen Lebens¬abend in der Widenmayerstraße nahe der Max-Joseph- Brücke. Früher hat hier der Bergfluss die Landeshauptstadt schon fast verlassen. Die Flößer, die noch bis in die Eisenbahnzeit hinein ihre Waren auf schwankenden Stämmen zur Donau steuerten, ja bis hinunter ins Schwarze Meer, trennten sich hier von den letzten Häusern mit einem Abschiedsblick.

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Nationalmuseum und Schack-Galerie

Prinzregent Luitpold grüßt hoch zu Ross vor dem Bayerischen Nationalmuseum. Als regierendem Fürsten aus dem Königshaus stand ihm gewiss eine derartige Ehrung zu. Nein, ein Feldherr war er nicht, aber er vertrat Ludwig II., seinen Neffen, bei der Kai¬serproklamation im Spiegelsaal von Versailles. Bei sei-ner Bestattung 1912 gab ihm sogar Kaiser Wilhelm II. das Ehrengeleit. Das Reiterdenkmal, geschaffen von Adolf von Hildebrand, hat man 1913 enthüllt.
Das Nationalmuseum ist ein Schatzhaus der Kunst- und Kulturgeschichte Bayerns. Das breitgelagerte Bauwerk im Stil des Historismus hat Gabriel von Seidl 1899 im Auftrag des Prinzregenten errichtet. In über 120 Räumen präsentiert es 18 000 Exponate vom Mit¬telalter bis zum 20. Jahrhundert. Den Grundstock bil¬deten Sammlungen und Schenkungen der Wittelsba¬cher Familie, Neuerwerbungen ergänzten ihn. Beim Bau hat man den Charakter der zukünftigen Ausstel¬lungen berücksichtigt. Der gewölbte Waffensaal mit Ritterrüstungen könnte demnach aus einer Burg direkt hierher verpflanzt worden sein. Wie es mit der deko¬rierten Bauernstube aus dem Thannheimer Tal sogar geschah. Manche Exponate sind absolut faszinierend, etwa die liebreizende und doch königliche Seeoner Madonna eines unbekannten Meisters oder die Werke des Würzburgers Tilman Riemenschneider und des Landshuters Hans Leinberger. Ferner kann man Kleinskulpturen von Georg Petel, golddurchwirkte niederländische Wandteppiche, kunstvolle Möbel, Gold- und Silberarbeiten, Nymphenburger Porzellane und Münzen bewundern. Altmünchner können sich von Jacob Sandtners Stadtmodell von anno 1572 mit sämtlichen Kirchen, Stadtmauern, Toren und allen Häuschen, Straßen und Plätzen gar nicht trennen. Vor allem, wenn sie feststellen, dass ihre gegenwärtigen Straßenzüge exakt auf den historischen Trassen verlau¬fen. Und das Stockwerk mit den lebendigen Krippen aus vielen Ländern ist für Kinder zur Weihnachtszeit der Anziehungsort schlechthin.
Auf dem Gang zur Schack-Galerie (Prinzregenten¬straße 9) passiert man die angrenzende ehemalige Staatskanzlei des Ministerpräsidenten. Hin und wider konnte man erleben, wie eine Limousine aus dem en- gen Tor herausschoss und Franz Josef Strauß den Fußgängern zuwinkte. Bei Empfängen sah sich die Kanzlei genötigt, Räume der Galerie mit einzubeziehen. Spötter witzelten, dass bei dieser Gelegenheit manche Politiker erstmals Kontakt zur Kunst gefunden hätten. Man müsste spezifizieren: zu einer exzellenten Samm¬lung der Früh- bis Spätromantik in der bedeutendsten Privatgalerie des 19. Jahrhunderts. Das neuklassizisti¬sche Bauwerk (Max Littmann, 1909) war ein Geschenk des Kaisers an München. Die Familie des Schöngeists und Kunstfreunds Adolf Friedrich von Schack (1815— 1894) stammte aus Mecklenburg. Wer durch seine Gale¬rie streift, glaubt manche der Bilder bereits aus seinem Lesebuch zu kennen: beispielsweise Lenbachs »Hirten¬knabe« (1860), der auf der Wiese liegend träumt, oder »Die Morgenstunde« von Moritz von Schwind mit dem Mädchen am Fenster, das in die frische Bergwelt hi-nausschaut. Vertraute Liebende zeigt Anselm Feuer¬bachs »Paolo und Francesca« (1864). Arnold Böcklin führt uns mit seiner düsteren »Villa am Meer« (1864) ei¬nen unheimlichen Aspekt der Romantik vor Augen. Schack (1876 vom Kaiser Wilhelm I. in den erblichen Grafenstand erhoben) hat vielen noch nicht anerkann¬ten Malern seiner Zeit aus eigenen Mitteln das Aus¬kommen mit Aufträgen ermöglicht. Neben den ge¬nannten Künstlern zählte Hans von Marees zu seinen Schützlingen. Schacks Sammlung gehörte zunächst Preußen, seit 1939 der Bayerischen Gemäldesammlung.

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Technische Wunderkammer

Die Zahl der Besucher sagt alles über die Attraktion der Exponate wie auch über die didaktische Qua¬lität der Ausstellungen: rund 1,5 Millionen pro Jahr. Ganze Schulklassen betrachten fasziniert technische Vorgänge, die sie per Knopfdruck auslösen können. Die »technische Wunderkammer« ist auf dem europäi¬schen Festland das bedeutendste Museum seiner Art. Sein großer Reiz liegt darin, dass man oft völlig abs¬trakt erscheinende Realitäten unmittelbar erleben kann, zum Beispiel den Prototyp der Raumsonde »Helios« von 1974: Was zunächst nur ein Begriff aus den Informationsmedien war, kann man hier in Au¬genschein nehmen. Die Gründungsidee des Initiators Oskar von Miller war, die »Meisterwerke der Technik« den Menschen zum Anfassen nahe zu bringen. Ma¬schinen sollten laufen und fauchen, Elektrizität verkable Funken sprühen, damit die Kraft dieser En¬ergiequelle spürbar ist. Den größten Reiz üben erfahr¬bare Errungenschaften aus. Zum Beispiel die gute, alte Bergbautechnik, die man in einem nachgebauten »Pütt« erleben kann. Andere Attraktionen sind das erste deutsche U-Boot, Schiffe, Lokomotiven, Kraft¬fahrzeuge und Flugmaschinen. Spaß beiseite – in den klassischen Abteilungen, wie Physik, Chemie, Kraft¬maschinen und Starkstromtechnik, geht es durchaus ernsthaft zu. Die neue Pharmazieabteilung verfügt über eine begehbare menschliche Zelle. Eine Zugnum-mer bildet das 1992 eingerichtete Forum der Technik, das über ein IMAX-Filmtheater mit einer Großlein¬wand von 16 mal 22 Metern verfügt. Zu den faszinie¬renden Errungenschaften jüngster Zeit, die hier prä¬sentiert werden, gehört das modernste Planetarium der Welt, das unser gesamtes Sonnensystem mit Sternen- haufen und Sternennebel in Bewegung veranschau¬licht. Die Aktion »Kinderreich« erklärt in einem neu¬en Lern- und Spielbereich Kindergarten- und Grundschulkindern zusammen mit ihren Eltern wis¬senschaftliche und technische Zusammenhänge. Be¬achtung verdienen die Archive mit 700 000 Bänden, Handschriften, Plänen und Bilddokumenten bis hin zu Gedenkmünzen und Medaillen. In den letzten Jahren expandierte das Museum: Das Verkehrsmuseum mit Kreationen von der Draisine bis zum Rennwagen hat in den modernisierten ehemaligen Messehallen auf der Theresienhöhe eine neue Heimat gefunden (Theresi- enhöhe 14a). Die neue Flugwerft bei den Schleißhei- mer Schlössern ergänzt mit ihren 60 Flugzeugen und Hubschraubern die Luft- und Raumfahrtsammlung auf der Museumsinsel (Effnerstraße 18).

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