Kathedrale des Lichts

Die Pinakothek der Moderne nimmt seit 2002 die Sammlungen des Freistaats auf. Hier zogen die Staatsgalerie Moderner Kunst ein, die Staatliche Gra¬phiksammlung, die Neue Sammlung für Design sowie das Architekturmuseum. Das strahlend helle Bauwerk mit einer 24,5 Meter hohen überkuppelten Halle hat Stephan Braunfels geschaffen. Das Museum mit insge¬samt 12 000 Quadratmetern macht großzügige Präsen¬tationen einer Vielzahl an Kunstwerken möglich. Jetzt erst wird deutlich, wie stark die Kollektionen gewach¬sen sind. 1945 besaß die Sammlung zur Malerei, Plastik und den Neuen Medien nur ganze sechs repräsentative Werke. Durch Stiftungen und Vermächtnisse erhielt sie in den vergangenen Jahrzehnten den Rang einer inter¬national führenden Museumssammlung. Von den nun 3000 Objekten sind etwa 350 ausgestellt. Die Graphi¬sche Sammlung zeigt rund 100 Blätter, das Architek¬turmuseum etwa 380 Exponate, von der Neuen Samm¬lung für Design und angewandte Kunst sind einige 1000 Kreationen zu sehen. Die Rotunde ist Ausgangs¬punkt für alle Museumsrundgänge. Bleiben wir bei der Malerei: Der Westflügel präsentiert die Klassische Mo¬derne, der Ostflügel die Gegenwartskunst ab 1960. Die aktuellsten Kunstproduktionen erscheinen in Wech¬selausstellungen. Uber einer breiten Treppe erhebt sich Olaf Metzels bunte Großplastik »Reise nach Jerusa¬lem« (2002). Der Gang durch die Klassische Moderne
führt zunächst zu Francis Bacons Triptychon »Kreuzi¬gung« (1965) auf der Galerie. Das Kardinalwerk unse¬rer Tage zeigt, was Menschen Menschen antun können. Es folgen Gemälde der »Brücke«, des »Blauen Reiter«, der Expressivität – Neuen Sachlichkeit, des Surrealis¬mus, Werke von Picasso, Baselitz, Beuys, Warhol, Richter und Rauschenberg. Ernst Ludwig Kirchner und Max Beckmann erhielten dankenswerterweise ei¬gene Räume. Die von Jeff Walls inszenierten absurden Alltagshandlungen erscheinen als Großdias in Leucht¬kästen. Zur Sektion Design schreitet man einige Stufen hinunter: Auf einer riesigen strahlenden Schauwand erscheinen frei gestellte Objekte wie hypermoderne, geschliffene Skulpturen. In der Nebenhalle sind Auto¬kreationen wie Schöpfungen einer fernen Zukunft aus¬gestellt, etwa Hans Ledwinkas »Tatra 87« von 1937 aus der Tschechei. Darüber ein Flugobjekt wie ein Raum¬fahrzeug.
Der Museumsshop bietet handverlesene Designobjek¬te an. Sie sind ideale Geschenke oder Souvenirs. (Pina¬kothek der Moderne, Barer Straße 40, 80333 München) In der Kaulbachstraße 91 saß die Redaktion der poli¬tisch-satirischen Wochenschrift »Simplicissimus«, ge¬gründet 1896. Sie war ein Sammelpunkt der aufmüpfi¬gen Schreiber und Karikaturisten. Um einige illustre Namen zu nennen: Thomas Mann fungierte um 1899 hier als Redakteur (er spielte sogar eine Rolle in Ibsens »Wildente«, die Ernst von Wolzogen zur Urauf¬führung brachte). Alfred Kubin steuerte fantastische Federzeichnungen bei. Th. Th. Heine, Olaf Gulbrand- son, Alexander Roda Roda waren mit dabei. Ödön von Horvath schrieb für das Blatt seine ersten Texte. Sein Stück »Das Buch der Tänze« wurde im Steinicke-Saal gelesen, einem Zentrum für neues Theater in der Adal¬bertstraße 15. Ein Brennpunkt der Geister war das »Cafe Stefanie«, Ecke Amalien-/Theresienstraße, iro¬nisch »Cafe Größenwahn« genannt. Zu den Stamm¬gästen zählten Bert Brecht, Erich Mühsam, Klabund. Es heißt, Mühsam, der eine Zeitschrift namens »Kain« herausgab, habe seine Artikel hier am Cafe-Tisch ge¬schrieben. Der Augsburger Medizinstudent Brecht, der übrigens 1919 an Karl Valentins Theater mitge¬wirkt hat, schnellte mit dem Stück »Trommeln in der Nacht« an den Münchner Kammerspielen aus dem Stand zum Ruhm. »Bürgerschrecktheater« nannte man das, doch es war eher Zeugnis einer tiefen Verletztheit, die er im Krieg als Sanitätssoldat erfahren, hatte. Zwi¬schen ihm und Arnolt Bronnen, dessen Stück »Vater¬mord« 1921 aufgeführt wurde, entwickelte sich eine Freundschaft.
Die Idee, dass Kulturen wie lebende Organismen auf- blühen und vergehen, entwickelte Oswald Spengler in der Agnesstraße 54. Sein philosophisches Werk »Der Untergang des Abendlandes« löste zwischen den Welt¬kriegen ein nachhaltiges Echo aus.
Die große Politik nistete sich klammheimlich ein. In der Kaiserstraße 46 wie in der Siegfriedstraße 14 ver¬fasste Lenin seine revolutionäre Schrift »Was tun?«. Eine brenzlige Frage, die Antwort gab die Geschichte. Der spätere »Führer« soll nur am Rande erwähnt wer¬den. Auch er und einige seiner Mannen waren mal hier, mal dort ansässig. Lion Feuchtwanger schrieb in der Georgenstraße mit seinem brisanten dokumentari¬schen Roman »Erfolg« über das aufkommende NS- Regime der Bürgerschaft eine bittere Abrechnung.

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