Der Englische Garten, das Paradies der Stadt

Wer durch diese englische Parklandschaft wandert, erhält viele Eindrücke. Manche bleiben unver¬gesslich. Etwa der Chinesische Turm im ersten Schnee, dessen Weiß Tische, Gartenstühle sowie die Dach¬schrägen des exotischen Bauwerks bedeckt und den Platz mit den angrenzenden Bäumen und Büschen ins Unwirkliche rückt. Oder wenn goldenes Sonnenlicht und die Laubkuppel blühender Kastanien das Bild be¬leben. Frauen, Männer und Kinder in Sommerklei¬dung sitzen mit Gläsern voll leuchtender Getränke an den Tischen, dazu Brotzeitkörbe, Hendl, Speisen jeder erdenklichen Art. Wo kommen all die Menschen her? Sie wandern auf den Parkwegen heran. Eine Pferde-droschke entlässt ihre Passagiere, dann eine Fahrrad¬rikscha. Fröhliches babylonisches Stimmengewirr er¬füllt die Luft. Das kleine Kinderkarussell dudelt seine Weisen. Dazu schaukeln die Glocken an den Traufen des Chinesenturms. Wenn am Abend die Lampen aus den Etagen der Pagode scheinen, wirkt sie wie ein Leuchtturm, ein Positionslicht, das den Suchenden, die einsam sind oder nur durstig, den Weg weist.
Wieder ein anderes Bild: ein früher sonniger Maimor¬gen. Junge Mädchen fahren mit ihren Rädern, von Schwabing kommend, über die Sandwege, die noch vom Tau bedeckt sind. Sie passieren den Monopteros. Ihre frischen Stimmen dringen herüber. Wenn sie dann die Brücke des Eisbachs beim Himmelreich überquert haben, sind sie gleich in der Seeaustraße in ihrer Schu¬le. In der Hitze des Sommers kühlen die Nackedeis im Eisbach ihre Haut. Der Föhnhimmel ist so blau wie in bella Italia. Der Eisverkäufer trällert leise Verdi und Puccini und ruft zwischendurch seine Offerten aus: cioccolata! limone! stracciatella! Mütter bilden mit ihren Kleinkindern Inseln des Glücks. Rentner sind unterwegs mit ihrem treuen Hund. Auf einer Bank sit¬zen vier junge Leute – zwei Frauen, zwei Männer – mit Sektflaschen und Gläsern. Man hört, es sind Kollegen, die etwas zu feiern haben. Die unendlich erscheinende Wiese schlägt leichte Wellen wie ein See, in den Wel¬lentälern finden sich Liebespaare. Aber die sieht man nicht.
Der Monopteros, von Leo von Klenze erbaut, ist ein eleganter Rundtempel mit neun langen ionischen Säu¬len, die ein Kuppeldach tragen. Er steht auf einem klei¬nen Kegelberg über der weiten Rasenebene. Von hier genießt man den Königsblick über den dunklen Wald¬streifen hinweg auf die Turmsilhouette der Residenz¬stadt. Der Hang des Monopteros ist bei Sonnenanbe¬tern ebenso beliebt wie bei den kleinen Rodlern im Winter.
Der Englische Garten entstand nach dem Vorbild eines englischen Landschaftsparks, dem demokratischen Gegenstück zum Kunstgarten der Renaissance und des Barocks. Kurfürst Karl Theodor gab die Anlage in Auftrag. Es war im Jahr 1789. In Frankreich brach die Revolution aus, und die Bayern sollten natürlich nicht seine Krone geschenkt bekommen – aber doch einen Volkspark, in dem alle Stände sich ergehen durften. Der Amerikaner Benjamin Thompson, Karl Theodors Kriegsminister, griff als Demokrat den Gedanken auf und begann mit der Planung. Als Areal diente ein ver¬sumpftes Jagdgebiet, das fast an den Hofgarten stieß. Die Konzeption ersann Friedrich Ludwig von Sckell. Die ersten Arbeiten dauerten bis 1808. Die Komposi¬tion enthält eine Reihe von natürlichen Elementen: ei¬nen Wasserfall, Bachläufe, Seen, Inselchen, Wiesen, Baumgruppen, Haine und Wäldchen. Dazu einige Bauwerke: Brücken, das Japanische Teehaus, den Mo- nopteros, den berühmten Chinesischen Turm mit Ökonomie, Gasthaus und Biergarten sowie am Klein¬hesseloher See ein Gasthaus mit hübschem Biergarten und Bootsverleih.
Reizvoll liegt im Wald ein englisches Offizierkasino, das Rumfordhaus, benannt nach dem zum Grafen Rumford erhobenen Benjamin Thomson.
Der Englische Garten ist mit 372 Hektar eine der grö߬ten innerstädtischen Parkanlagen. Er ist zwischen Schwabing und der Isar rund einen Kilometer breit und erstreckt sich von der Prinzregentenstraße etwa fünf Kilometer nach Norden. Dort geht er jenseits der Hirschau in das Naturschutzgebiet der Isarauen über.

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